SEO meets Journalismus

Von Markus am 13. August 2008

Jeder SEO, der für größere Portale tätig ist, kommt irgendwann in die Situation, sich mit der Redaktion des Portals zu beschäftigen. Der SEO trifft auf die Kunst des Journalismus.

Und hier prallen zwei Welten aufeinander.

Größere Portale haben meist eigene Redaktionen. Hinter diesen Redaktionen verbergen sich oft nicht die Wald- und Wiesenschreiberlinge, sondern Journalisten mit entsprechender Ausblildung. Journalisten, die Überschriften kreieren können, die die Leute auf die Artikel ziehen. Journalisten, die Synonyme aus der Trickkiste zaubern, dass man nur so ins Staunen kommt. Und das ist sicher schon eine Art von Kunst, die Kunst des Journalismus.

Aber genau hier liegen die Probleme im Online-Bereich.

Denn die, meist journalistisch hochwertigen, Artikel der Redakteure fließen in den Index der Suchmaschinen. Und hier sollen sie eben gefunden werden. Doch nach Synonymen oder Umschreibungen des eigentlichen Themengebietes suchen die Menschen nicht. Die Suche der meisten Leute ist doch sehr einfach gestrickt. Es wird nach logischen Keywords oder Keyword-Phrasen gesucht. Nicht nach sehr selten verwendeten Worten.

Problemstellung eines SEOs

Nun, der (Inhouse-) SEO trifft also auf die Redaktion. Eine Redaktion besteht ja in 90% aller Fälle aus mehreren Redakteuren. Und diese sind, ebenfalls meistens, zu Recht von ihrer journalistischen Arbeit überzeugt. Und nun kommt da jemand daher (der SEO) und will den Journalisten erzählen, wie die Überschriften auszusehen haben, welche Keywords wo und wie oft im Content auftauchen sollen und dass sogar noch Links auf ähnliche Beiträge auf dem Portal gesetzt werden sollen.

Ich hätte als Redakteur auch eine gewisse Abneigung über den besserwissenden Typen (den SEO). Es ist völlig verständlich, dass die Journalisten den (wichtigen und gut gemeinten) Hinweisen des SEOs nicht sonderlich aufgeschlossen sind.

SEO & Redaktion – doch noch Big Love?

Tja, der SEO hat es nun schwer und muss sich gegen diese Abneigung zu helfen wissen. Klar, zunächst gilt es, die Redaktion zu schulen. Was ist SEO? Was kann man erreichen? Wofür ist das überhaupt gut? Die Schulung darf nicht nur theoretisch ablaufen (Aufbau der Seite, Headlines, Titel etc.), hier muss man tagesaktuelle Beispiele hernehmen. Was macht denn die direkte Konkurrenz (falls eine solche existiert, ist aber fast immer so)? Wie gestalten die Redakteure denn den Text? Aha, hier sind Keywords, dort, die Überschrift ist optimiert… Die Redaktion muss einfach verstehen, dass sich im Online-Bereich alle Redakteure mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung befassen. Jedenfalls die, die Erfolg haben wollen.

2 Annahmen der Redakteure, die der SEO klarstellen muss:

  1. Die Leute sind sowieso auf dem Portal, die lesen die Artikel. Da muss man nichts optimieren.
    Wirklichkeit: Ein Bruchteil aller, die sich genau für dieses Thema interessieren, was der Redakteur schreibt, sind auf dem Portal. Und alle anderen Interessierten finden den Artikel nicht.
  2. Ich will meine Leser mit meinen herausragenden, journalistischen Überschriften und Texten binden.
    Wirklichkeit: Der Redakteur muss erkennen, dass dieses Vorgehen im Print-Bereich mit Sicherheit zieht. Denn da haben die Personen die Zeitung bereits gekauft und müssen nicht mehr nach Informationen suchen. Und das ist der Unterschied zum Online-Bereich. Hier sind Suchmaschinen der wichtigste Einstiegspunkt auf Portale. Und Suchmaschine kommt von Suchen, und wer sucht, will auch finden. Gefunden wird man in den Suchmaschinen nur, wenn man ein paar Regeln beachtet.

Es ist ein steiniger Weg für den SEO, bis er die Redaktion sensibilisiert hat, wenigstens annäherend optimierte Artikel zu verfassen. Aber ich als SEO sehe es in der heutigen Zeit als notwendiges Skill eines jeden Online-Redakteurs, sich wenigstens mit den Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung zu beschäftigen und diese auch anzuwenden. Freilich, vor 5 Jahren war das auch noch ein wenig anders.

Auf der einen Seite kann ich die Abneigung der Redakteure gegenüber Suchmaschinenoptimierung verstehen. Logisch, sie werden in ihrer täglichen Arbeit auf die Füße getreten. Auf der anderen Seite sind doch die Redakteure auch die treibende Kraft eines jeden Portals, Content rult eben. Und jedes Portal ist auf die Suchmaschinen angewiesen. Auch die Redakteure, jeder einzelne, profitieren davon, wenn die Reichweite des Portals steigt, für welches sie schreiben. Und das sollte schon Ziel sein.

Fazit: Respekt da, zusätzliche Skills erforderlich

Ich habe Respekt vor der journalistischen Arbeit eines Redakteurs. Die Spezies des Online-Redakteurs benötigt jedoch ein paar zusätzliche Skills. Gerade das ist doch die Kunst, unter gewissen Voraussetzungen immer noch geile Headlines zu kreieren, die die Leser wie die Motten zum Licht auf den Artikel ziehen! Und (fast) der ganze Content des Artikels steht auch dem Online-Redakteur zur Verfügung, um seine journalistische Ader zu verwirklichen.

Nachtrag:
Ein SEO muss sich immer bewusst sein, dass die Redaktion die treibende Kraft eines Portals ist. Da nützen alle Maßnahmen der Suchmaschinenoptimierung nichts, wenn die Redaktion nicht mitspielt. Kein Erfolg in den Suchmaschinen ohne eine Redaktion, die gut arbeitet.

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4 Kommentare zu “SEO meets Journalismus”

  1. 2008.08.14 09:09

    Du sprichst mir aus der Seele. Allerdings gibt es auch nicht so engstirnige Redakteure, die gerne etwas dazu lernen wollen. Vllt. liegt es aber auch an der Zuckerbrot und Peitsche Technik die dem Redakteur glauben lässt er träfe die Entscheidung die in Wirklichkeit mit der Unterstützung von einem kleinen bisschen NLP genau das ist was ich als Headline oder an Anzahlen in den Keywords haben will.

  2. [...] Online-Journalisten die Nachrichten optimieren? Besucher um den Preis guten Schreibstils? Marcus diskutiert das Thema mit eindeutiger Tendenz; er wünscht mehr Entgegenkommen der Journalisten. [...]

  3. 2008.08.16 14:50

    Im Endeffekt können doch viele SEOs froh darüber sein, das die “Ausbildungen” der Online Redakteure sich an denen der Printmedien orientieren. Stellt Euch vor, die Redakteure der großen Verlagshäuser wüßten, wie man für das Internet schreibt. Das würde ein Contentbeben in den Suchergebnissen auslösen….
    Vorher müßte sich noch das Bewußtsein durchsetzen, das ein Ausgebildeter und erfahrender Print-Journalist eben nicht sofort auch ein guter Online Redakteur ist. Der weltbeste Surfer ist halt nicht automatisch gleich ein guter Snowboarder.

  4. 2008.08.19 15:53

    Ich fühle mit Dir ;)
    Vielleicht tröstet es Dich, dass ich eine suchmaschinenoptimierte Schreibe ebenfalls (so wie der welt.de Chefredakteur ;) zum Rüstzeug eines Online-Redakteurs halte.